Nur wer für etwas brennt, kann auch ausbrennen!

Seit 1990 haben sich die Krankschreibungen wegen psychischer Belastungen fast verdoppelt. Für den Betroffenen, sein privates Umfeld und den Arbeitgeber sowie die Kollegen bedeutet dies eine schwerwiegende Belastung mit tiefgreifenden wirtschaftlichen, gesundheitlichen und persönlichen Folgen. Das Tückische am Burnout-Syndrom ist, dass es sich heimlich anschleicht, ohne dass der Betroffene den gefährlichen Kreislauf aus Leistung und Funktionieren zu durchbrechen vermag oder überhaupt erkennt, in welcher Spirale er sich befindet.

Häufig, jedoch nicht nur, sind es erfolgreiche, überdurchschnittlich engagierte und empathische Menschen, die plötzlich feststellen, dass sich etwas in ihrem Leben verändert hat: die berufliche und private Belastung scheint sie zu zerreißen, sie fühlen sich den Anforderungen des täglichen Lebens im Privaten und auch am Arbeitsplatz nicht mehr wie früher gewachsen. Die physische und psychische Leistungsfähigkeit nimmt spürbar ab. Das innere Feuer, das sie stets antrieb, scheint erloschen. Die vertrauten Werkzeuge kommen zum Einsatz: der Betroffene verlangt sich selbst noch mehr Kraft und Disziplin ab, denn das entspricht seinem Verhaltensmuster. Die Erschöpfungssymptome werden bekämpft wie ein Feind, den es mit aller Macht zu schlagen gilt.

Körper und Seele reagieren mit somatischen und psychosomatischen Beschwerden. Physische Signale wie Bluthochdruck, Kopfschmerzen, Schlaf- und Magen-/Darmprobleme werden der vorübergehenden arbeitsintensiven Phase angelastet und missachtet. Doch auch emotional verändert sich der Mensch. Versagensängste, das Gefühl der inneren Leere, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Unzufriedenheit und Sarkasmus gesellen sich häufig hinzu. Das Umfeld ist meist nicht früh genug in der Lage, die Situation realistisch einzuschätzen. Partnerschaftsprobleme oder Probleme mit Mitarbeitern nehmen an Intensität zu. Der Betroffene begibt sich zusehends tiefer in die soziale Isolation. In der letzten Phase des Burnout-Zyklus ist der Zusammenbruch vorprogrammiert.

Doch soweit muss es nicht kommen. Der Burnout-Gefahr kann und sollte begegnet werden, sobald sich erste Anzeichen zeigen. Hier sind auch besonders die Arbeitgeber in ihrer Verantwortung gefordert, denn einen großen Teil unseres Lebens verbringen wir mit unserer beruflichen Tätigkeit. Doch was für den einen Menschen Stress bedeutet und zum Burnout führen kann, muss für einen anderen noch lange keine Bedrohung darstellen. Im Rahmen eines angemessenen, pragmatischen Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) können die oft sehr hohen beruflichen Anforderungen an die Arbeitnehmer mit dem Werten und Zielen des Unternehmens in Einklang gebracht werden. Denn finanziell und organisatorisch stellen Langzeitausfälle von Mitarbeitern eine große Herausforderung dar:

  •  Gleichwertiger Ersatz für den erkrankten Mitarbeiter ist kurzfristig oft schwer zu beschaffen.
  • Im schlimmsten Fall verliert das Unternehmen mit dem Mitarbeiter wichtiges Know-how.

  • Die Kollegen müssen auf nicht absehbare Zeit erhebliche Mehrarbeit verkraften und werden einem erhöhten Stresslevel ausgesetzt.

  • Jeder Burnout-Fall belastet die Unternehmenskultur, führt zu Unruhe und Unsicherheit im Team und schädigt das Image des Unternehmens.

Viele Unternehmen versuchen, der Burnout-Gefahr durch Stressmanagement-Seminare für ausgewählte Personengruppen, vorzugsweise Führungskräfte, vorzubeugen. Doch damit wird man dem Problem nicht ausreichend gerecht. Der Entstehung eines tiefen Erschöpfungssyndroms liegen zahlreiche individuell unterschiedliche Faktoren zugrunde, die es sukzessive zu beseitigen oder zu verändern gilt. Die Entstehung neuer Denkmuster und Einstellungen und damit die Umsetzung einer gesundheitsförderlichen Lebensweise geschehen nicht in einem zweitägigen Seminar im Kollegenkreis. Das Problem ist niemals nur im beruflichen oder nur im privaten Umfeld zu suchen, sondern stellt immer eine Kombination beider Bereiche dar.

Abhängig von der Ausprägung des Erschöpfungszustandes bieten sich kombinierte Lösungsmöglichkeiten an, die sich in der Praxis bewährt haben. Auch ein erfahrener Burnout-Coach kann keine Psychotherapie ersetzen und erst recht keine schweren Depressionen oder körperlichen Symptome behandeln. Aber er kann den Betroffenen dabei unterstützen, sein Risikoprofil und seine persönlichen Stressfaktoren (Stressoren) zu bestimmen, die Ursachen des Burnout zu analysieren und alternative Denk- und Handlungsmuster einzuüben. Dabei ist oft auch die Kompetenzentwicklung im Konflikt-, Zeit- und Selbstmanagement vorteilhaft.

Jeder Burnout ist anders, auch wenn sich die Krankheitsbilder und Symptome ähneln. Und so benötigt jeder Betroffene eine individuell unterschiedlich gestaltete Unterstützung, die Akut- und Tageskliniken nur begrenzt bieten können. Der Weg aus dem Burnout ist mühsam – ein Herantasten an ein verändertes Leben, das erst noch zur Normalität werden muss. Der Coach begleitet diesen Prozess der Analyse, Fortschritte und vielleicht auch mal Rückschläge über Wochen und Monate bis der Betroffene sein neues Lebenskonzept gefunden und sich stabilisiert hat.

Der Coaching-Kurs zur Burnout-Prävention ist ein in sich abgeschlossener Prozess, der in Abhängigkeit von der Ausgangssituation des Klienten ca. 50 Zeitstunden in Anspruch nimmt und engmaschig durchgeführt wird. In akuten Fällen mit dringendem Handlungsbedarf biete ich dieses Coaching auch als Intensiv-Maßnahme an.